Über Einheit in Deutschland

Schönheit denk ich ist arbeit
die andere vor uns getan haben
absichtslos
haben sie unser glück vermehrt

~ Dorothee Sölle

Eine rote denkmalgeschützte Backsteinsiedlung in Pankow. Unbeachtet. Hier waren die Kommunisten in den 1920zigern. Hier waren auch die Faschisten. Hier tobte der berüchtigte BVG Streik als Kommunisten und Faschisten sich in einer politschen Querfront gegen das Bürgertum einten.  Teil dieser Anlage ist eine grosse, nun still-gelegte Strassenbahn-Wartungshalle. Halle und Siedlung wurden nach der Wende getrennt. Inzwischen hat die Siedlung die Besitzer mehrmals gewechselt und gehört jetzt einer stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft. Diese-Siedlung wurde vom Architekten Carl Mohr in den 1920zigern im Stile einer sanften Neuen Sachlichkeit geplant. Das wirkt zwecksmässig schlicht, hat aber auch Wärme und strahlt Behaglichkeit aus durch den traditionellen roten Backstein-Stil Brandenburgs, der erdverbunden und einladend wirkt. Der Architekt Carl Mohr hat viele Sanatorien und Heilanlagen gebaut. Harmonie müsste ihm also insbesondere wichtig gewesen sein. Besonders schön in dieser Siedlung ist die Parkanlage mit einem Hain (Kreisformation) aus hohen Tannen als Zentral-Punkt. Ein Tannenhain ist ein wunderbarer und sehr alter mystischer Natur-Ort, der Zusammenhalt in Harmonie ausdrückt.

Die Landschaft rund um die Siedlung sah vor 20 Jahren, also 10 Jahre nach der Wende, noch sehr ländlich aus. Rund um die Siedlung, so erzählte mir ein Nachbar der hier seit 60 (!) Jahren lebt, war einst nur Wiesen, Schafe und Kleingärten. Im Zuge des Wachstums und der Neo-Liberalisierung Berlins verschwanden die Schafe und das meiste Grün. Es ist einiges an Unruhe in diesen einst sehr idyllischen Flecken der Welt gekommen. In vieler Hinsicht repräsentiert diese Siedlung noch ein wenig was von einem alten "DDR Way of Life". Früher arbeiteten die Bewohner der Siedlung in den Tram-Wartungshallen, wohnten nebenan in der Siedlung und bauten Gemüse und Blumen in den Kleingärten gegenüber an.

Wir waren einmal Könige, 2019

In den nächsten Jahren sollen wahrscheinlich noch mehr Kleingärten dem Bulldozzer zum Opfer fallen. Wir brauchen in Berlin einerseits Wohnungen, aber wir benötigen auch die Grünflächen und Möglichkeiten innerhalb Berlins Landwirtschaft betreiben zu können und Natur als selbstverständlichen Teil unserer Selbst zu erfahren. Gegen den "transient", also die vergängliche, wechselhafte, Lebenskultur des Neo-Liberalismus, die Probleme wie Verarmung, Verdrängung, Umweltverschmutzung, Kriminalität, Mietenexplosion und Gentrifizierung mit sich bringt, will man sich durch Traditionsbewusstsein wehren, was derzeit immer beim Rechts-Populismus endet, welcher wiederum für eben jene Kräfte arbeitet, welche die Misere zuallererst verursacht haben - die Kapitalkräfte. Ist es nicht interessant dass man in der Frei-Markt Theorie von "Kräften" spricht? Als würde man vom Okkulten, also dem "Verborgenen" sprechen. Derartige Kräfte verwirren leicht.

Die rote Backstein-Siedlung, finde ich, ist ein wunderschönes Beispiel dafür, zu studieren, was neoliberale Zerstückelung für die Menschen bedeutet und warum Einheit so wichtig ist. Gärten sind naturgegeben einheitig in der Vielfalt, nachhaltig und langfristig. Die Natur ist eins in all ihren Formen, Farben Erscheinungen, sie ist harmonisch auch wenn sie widersprüchlich, karg und unzugänglich daherkommen kann. Wir müssen die Kultur der Einheit pflegen und uns nicht durch Zerstückelung zerstören lassen. Dazu brauchen wir eine Kultur des Bewusstseins über nachhaltige Werte, über Harmonie mit der Natur, Zusammenhalt, Geschichte, und Langfristigkeit. Wir müssen unsere Kraft & Traditionen durch Einheit wiederfinden.

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